Mehr als eine Woche lang versammelten sich Filmemacherinnen, Schauspielerinnen, Branchenvertreter*innen und Filmfans aus aller Welt beim Luxembourg City Film Festival 2026. Die Preisverleihung bildete den krönenden Abschluss dieser intensiven Tage und bot einen Blick auf die Vielfalt und Kreativität des internationalen Kinos.
Isabelle Huppert: Eine Ikone des Weltkinos
Der erste große Moment des Abends gehörte der französischen Schauspielerin Isabelle Huppert, die mit dem Talent Award 2026 ausgezeichnet wurde. Diese Ehrung würdigt prägende Persönlichkeiten des internationalen Kinos. Emmanuelle Béart, selbst eine renommierte Schauspielerin, hielt eine bewegende Laudatio, in der sie Hupperts Einfluss auf das Kino hervorhob. „Es gibt Schauspieler*innen, die durch Filme hindurchgehen – und es gibt diejenigen, die sie verändern“, sagte Béart. Huppert sei eine „Forscherin der menschlichen Seele“, die ihren Figuren Leben einhaucht und sie in ihrer Komplexität darstellt.
Huppert reagierte mit humorvoller Gelassenheit auf die Auszeichnung. „Ich liebe es, Preise zu bekommen“, sagte sie lachend und betonte die Bedeutung von Filmfestivals: „Es sind Orte, an denen Filme noch auf großen Leinwänden gesehen werden. Das ist die Zukunft – und auch das Leben des Kinos.“
Preise für Kino, Dokumentarfilm und junge Jurys
Neben der Ehrung Hupperts standen die Wettbewerbsfilme im Mittelpunkt des Abends. Der Grand Prix des Festivals ging an „My Father’s Shadow“ von Akinola Davies Jr., ein Film, der durch seine technische Raffinesse und emotionale Tiefe besticht. Der Dokumentarfilmpreis wurde an „Memory“ von Vladlena Sandu verliehen, die in ihrer Dankesrede das zentrale Thema ihres Films – die Spirale der Gewalt – ansprach. Sandu betonte, dass Kunst und Kino Werkzeuge sein können, um diesen Kreislauf zu durchbrechen und Hoffnung zu teilen.
Weitere Auszeichnungen gingen an „Blue Heron“ von Sophy Romvari, der den Fipresci-Preis der internationalen Filmkritik erhielt, sowie an „Tuner“ von Daniel Roher, der den Publikumspreis gewann. Auch die jungen Zuschauer*innen wurden in das Festivalprogramm einbezogen: Der Youth Jury Prize ging an „Feels Like Home“ von Gabor Holtai, während die Schuljury „Têtes brûlées“ von Maja Ajmia Zellama auszeichnete. Der Kids Jury Award wurde an „Olivia“ von Irene Iborra verliehen.
Im Bereich neuer Erzählformen wurde „The Clouds Are Two Thousand Meters Up“ von Singing Chen als beste immersive Erfahrung prämiert. Der 2030 Award der luxemburgischen Entwicklungszusammenarbeit ging an Regisseur Amilcar de Miguel Eek.
Positive Bilanz und Ausblick
Festivaldirektorin Gladys Lazareff zog eine positive Bilanz der diesjährigen Ausgabe. „Mehr als 22.000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben die Vorstellungen besucht“, berichtete sie. Insgesamt rechnet man mit rund 40.000 Teilnehmern über alle Veranstaltungen hinweg. Lazareff dankte dem gesamten Team und den vielen Freiwilligen, die das Festival ermöglicht haben, und kündigte bereits die nächste Ausgabe an: Das Festival kehrt vom 4. bis 14. März 2027 zurück.
Fantastischer Abschluss mit „The Blood Countess“
Nach der Preisverleihung betrat das Team des Abschlussfilms die Bühne. Regisseurin Ulrike Ottinger präsentierte gemeinsam mit Isabelle Huppert und weiteren Darstellern ihren neuen Film „The Blood Countess“. Der Film entführt die Zuschauer in ein barockes, fantastisches Wien und erzählt von einer wiedererweckten Vampirgräfin, die auf der Suche nach neuen Opfern durch die Stadt streift.
Huppert betonte den Reiz solcher Projekte: „In Ulrike Ottingers Filmen betritt man eine ganz eigene Welt.“ Ottinger selbst beschrieb ihre Arbeit als eine Mischung aus Ernsthaftigkeit und Ironie. Der Film ließ allerdings auf sich warten, da technische Probleme den Ton zunächst stumm hielten, bevor die Vorstellung schließlich beginnen konnte.
Jury-Einblicke: Ein unvergessliches Erlebnis
Die Filmemacherin und Kamerafrau Rae Lyn Lee, die in Luxemburg lebt, gehörte in diesem Jahr zur internationalen Jury des Festivals. Gemeinsam mit anderen Jurymitgliedern entschied sie über den Grand Prix, der schließlich an „My Father’s Shadow“ ging. Lee zeigte sich begeistert von der Erfahrung und hob die freundliche Atmosphäre innerhalb der Jury hervor. „Wir haben während dieser Woche unglaublich viel zusammen gelacht“, sagte sie.
Die Juryarbeit war intensiv, mit drei Filmen pro Tag und zahlreichen Diskussionen über die unterschiedlichen Perspektiven der Werke. Lee war besonders beeindruckt von der Darstellung der Figuren in „My Father’s Shadow“, die eine zärtliche und menschliche Beziehung zwischen einem Vater und seinen Söhnen zeigt.
Fazit
Das Luxembourg City Film Festival 2026 war ein eindrucksvolles Ereignis, das die Vielfalt und Kreativität des internationalen Kinos feierte. Die Preisverleihung und die anschließenden Filmvorführungen boten einen tiefen Einblick in die aktuellen Themen und Herausforderungen des Filmschaffens. Mit einem positiven Ausblick auf die nächste Ausgabe bleibt das Festival ein unverzichtbarer Bestandteil der europäischen Filmszene.


